Welcher Reiniger darf auf welchen Stein – und welcher richtet in Sekunden einen Schaden an, den nur noch die Schleifmaschine behebt? Sechs Schritte vom Bestimmen bis zum Schutz, mit Dosierung, Werkzeug und Produktempfehlung.

Ein Spritzer Zitronensaft auf polierter Marmorplatte, zehn Sekunden Einwirkzeit, und die Stelle ist matt – dauerhaft. Kein Reiniger der Welt holt das zurück, weil der Schaden nicht auf der Oberfläche liegt, sondern in ihr. Genau deshalb beginnt Natursteinreinigung nicht im Putzmittelregal, sondern mit der Frage, welches Gestein überhaupt unter Ihnen liegt. Was Granit achselzuckend wegsteckt, zerlegt Kalkstein. Diese Anleitung führt Sie durch die sechs Schritte, die wir auch in unseren eigenen Aufträgen abarbeiten – und sagt Ihnen offen, wo Selbermachen endet.
Das Wichtigste in Kürze
- Erst Steinart bestimmen, dann testen, dann reinigen. Wer diese Reihenfolge dreht, zahlt sie meist teuer.
- Marmor, Kalkstein und Travertin vertragen keine Säure – kein Essig, keine Zitrone, kein saurer Sanitärreiniger.
- Jedes Mittel gehört zuerst an eine verdeckte Stelle. Zehn Minuten Test ersparen im Zweifel eine vierstellige Sanierung.
- Saugfähige Steine wie Sandstein und Travertin reagieren empfindlich auf zu viel Wasser: Schleier und Ausblühungen sind die Folge.
- Der Deutsche Naturwerkstein-Verband schreibt es ebenso: Mittel, Konzentration, Methode und Werkzeug richten sich nach Stein, Oberfläche und Nutzung.
- Matte Stellen und Ätzflecken sind kein Schmutz. Die lassen sich nicht wegputzen, sondern nur schleifen und polieren.
Lesezeit: 7 Minuten
Das brauchen Sie dafür
- FILA Cleaner – der sichere Allrounder, auch für empfindlichen Marmor
- FILA PS87 – Intensiv-Grundreiniger für Fett, Wachs und alte Pflegefilme
- SD Handpads mit Halter – die schonende Alternative zum Scheuerschwamm
- Alle Mittel im Überblick: Grundreiniger und Unterhaltsreiniger
Schritt 1: Steinart und Oberfläche bestimmen
Alles Weitere hängt an dieser Bestimmung. Zwei Minuten, die den Rest entscheiden.
Praktisch reichen drei Gruppen. Kalkhaltige Weichgesteine – Marmor, Kalkstein, Travertin – sind weich und säureempfindlich. Hartgesteine wie Granit, Gneis und Basalt stecken chemisch deutlich mehr weg. Schichtgesteine wie Schiefer und Quarzit spalten sich entlang ihrer Lagen und rauen auf, wenn man zu grob wird.
Erkennen lässt sich das meist mit bloßem Auge: Marmor zeigt Adern und eine kristalline Zeichnung, Granit gesprenkelte Mineralkörner, Schiefer eine plattige, oft glimmernde Oberfläche. In Berliner Altbauten liegen häufig Marmor- und Kalksteinböden, in Gewerbeobjekten eher Granit.
Genauso entscheidend ist die Bearbeitung der Oberfläche. Poliert, geschliffen, gebürstet oder geflammt – eine polierte Fläche ist gegen Kratzer und Säure ungleich empfindlicher als eine geflammte. Wer nur auf die Gesteinsart schaut und die Oberfläche übersieht, ruiniert den Glanz und wundert sich hinterher.
Schritt 2: Fläche vorbereiten und testen
Der Schritt, der am häufigsten übersprungen wird – und am teuersten bezahlt.
Zuerst kommt loser Schmutz trocken weg: Besen, Handfeger, Staubsauger. Kommt Wasser ins Spiel, bevor der grobe Dreck verschwunden ist, entstehen Schlieren, und Sandkörner arbeiten wie Schleifpapier über die Politur.
Danach die Testfläche. Mittel auftragen, Einwirkzeit einhalten, trocknen lassen, hinschauen. Erst wenn Farbe, Glanz und Struktur unverändert sind, geht es auf die ganze Fläche. Angrenzende Materialien – Silikonfugen, Holzsockel, Metallprofile – vorher abkleben.
Schritt 3: Das richtige Mittel wählen
Jetzt zahlt sich Schritt 1 aus, denn die Steinart gibt das Mittel vor.
Auf Kalkgestein gehört ausschließlich pH-neutral bis leicht alkalisch. Der FILA Cleaner deckt hier den Alltag ab. Sitzt Fett, Wachs oder ein alter Pflegefilm fest, greift der FILA PS87 als Grundreiniger.
Hartgestein verträgt mehr, aber nicht alles: Zu scharfe Chemie kann besonders dunkle oder eingefärbte Sorten farblich verändern. Saure Zementschleier-Entferner wie der FILA Deterdek sind ausdrücklich für Cotto, Feinsteinzeug, Klinker und säurebeständigen Naturstein gedacht – auf Marmor oder Travertin haben sie nichts verloren.

- Weiche Pads statt Scheuerschwamm. Kratzer in polierten Flächen bleiben. Passende Pads und Bürsten kosten weniger als eine einzige Nachpolitur.
- Keine Scheuermittel und Pulver. Die enthalten abrasive Partikel – genau das, was Sie nicht wollen.
- Dampfreiniger nur bei robusten Steinen. Hitze und Feuchtigkeit setzen Marmor und Kalkstein zu.
- Verdünnung einhalten. Unverdünnt ist nicht stärker, sondern nur riskanter.
Schritt 4: Sauber arbeiten – ohne Wasserschaden
Mit der Vorbereitung ist der Rest Handwerk. Zwei Dinge entscheiden: Systematik und Wassermenge.
- Gleichmäßig auftragen und die Einwirkzeit des Herstellers einhalten. Nicht antrocknen lassen, notfalls nachfeuchten.
- Abschnittsweise arbeiten. Bei Böden von der hinteren Ecke zur Tür, bei Fassaden von unten nach oben. So entstehen keine Ränder an überlappenden Trockenzonen.
- Gründlich mit klarem Wasser nachnehmen. Rückstände hinterlassen Schleier und ziehen neuen Schmutz an – die häufigste Ursache für „gerade erst gereinigt und schon wieder stumpf".
- Kontrolliert trocknen lassen und Staunässe in den Fugen vermeiden.

Bei Sandstein und Travertin ist die Wassermenge der kritische Punkt. Diese Steine ziehen Feuchtigkeit tief ein, und beim Trocknen wandern gelöste Salze an die Oberfläche zurück – als Schleier oder weiße Ausblühungen. Weniger Wasser, zügiger arbeiten, sofort aufnehmen.
An Berliner Eingangsbereichen und Außentreppen kommt im Winter das Streusalz dazu. Reste regelmäßig mit klarem Wasser abspülen, bevor sie einziehen – sonst arbeitet das Salz jahrelang im Stein weiter.
Schritt 5: Imprägnieren statt nachträglich ärgern
Direkt nach der Reinigung ist der Stein offen für Schutz – und für den nächsten Fleck. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt.
Der Unterschied lohnt sich zu kennen: Eine Imprägnierung zieht in den Stein ein, lässt ihn atmen und weist Flüssigkeiten ab. Eine Versiegelung legt einen Film obendrauf und passt nur zu bestimmten Steinen und Nutzungen. Für die meisten Natursteine ist die Imprägnierung die richtige Wahl – etwa der Nano Steinveredeler Pro oder für Terrasse und Balkon die SD Terrassen- und Balkon-Imprägnierung. Die komplette Auswahl finden Sie unter Imprägnierungen.
Schritt 6: Wann Selbermachen aufhört
Sauber bleibt nicht von allein. Und es gibt Schäden, gegen die kein Reiniger hilft.
Für den Alltag reicht Wischen mit wenig Wasser und einem pH-neutralen Pflegereiniger. Aggressive Universalreiniger bauen Schutz und Politur schleichend ab – man merkt es erst, wenn der Glanz weg ist.

Diese Warnsignale bedeuten, dass Putzen nicht mehr weiterhilft:
- Matte Stellen und Ätzflecken auf poliertem Marmor – die Oberfläche ist chemisch angegriffen, nicht verschmutzt.
- Tief eingezogene Verfärbungen, die nach zwei Reinigungsdurchgängen unverändert dastehen.
- Abgelaufene Politur in Laufwegen und Eingangsbereichen.
- Undichte Fugen, durch die Feuchtigkeit in den Aufbau zieht.
Bei einzelnen Ätzflecken auf Marmor, Travertin oder Kalkstein können Sie es selbst versuchen: Das Marmor Reparaturset arbeitet die Stelle durch Schleifen und Polieren wieder heraus. Bei ganzen Flächen, Treppen oder Böden hört das auf – da braucht es Maschine und Erfahrung. Passende Sets finden Sie unter Stumpfen Marmor aufpolieren und Verätzungen behandeln.
Fazit: Die Reihenfolge ist die halbe Miete
Die meisten Natursteinschäden entstehen nicht durch Schmutz, sondern durch gut gemeinte Reinigung mit dem falschen Mittel. Wer bestimmt, testet, passend reinigt, schützt und dann pflegt, hält seine Flächen über Jahre in Form – und erkennt rechtzeitig, wann ein Fachbetrieb ran muss.
Ihre nächsten Schritte
- Steinart und Oberfläche bestimmen, im Zweifel den Säuretest an verdeckter Stelle machen.
- Passendes Mittel besorgen – Grundreiniger für die Erstreinigung, Unterhaltsreiniger für danach.
- Bei matten Stellen oder Ätzflecken: Reparaturset für Einzelstellen, Fachbetrieb für Flächen.
Selbst loslegen: Alle Mittel für Reinigung, Schutz und Pflege finden Sie in unserem Sortiment.
Zu großflächig oder zu tief? Bei abgelaufener Politur, großen Ätzschäden oder ganzen Böden hilft nur Schleifen und Polieren mit Maschine. Kostenlose Einschätzung in Berlin: 030 66931404
Quellen
- Deutscher Naturwerkstein-Verband e.V. (DNV) – Bautechnische Information 3.2, Ausgabe 2024: Reinigungsmittel, Konzentration, Methode und Werkzeug sind auf Belag, Nutzung und Oberfläche abzustimmen.