Zementfliesen bestehen aus Marmorstaub – und sind deshalb säureempfindlich. Warum sie anders gepflegt werden als Feinsteinzeug, und wie es richtig geht.

Zementmosaikplatten prägen unzählige Altbauflüre – handgefertigt, farbintensiv, jedes Stück ein Unikat. Und offenporig. Sie saugen Flüssigkeiten auf wie ein Schwamm und reagieren auf saure Reiniger wie Marmor: mit dauerhaften Ätzstellen. Wer sie wie Feinsteinzeug behandelt, ruiniert in einem Nachmittag, was hundert Jahre überstanden hat.
Das Wichtigste in Kürze
- Zementfliesen sind saugfähig und brauchen eine materialgerechte Schutz- und Pflegeroutine.
- Sie enthalten Marmorstaub – säurehaltige Reiniger verätzen die Oberfläche irreversibel.
- Nach dem Verfugen müssen Rückstände materialgerecht und rückstandsfrei entfernt werden.
- Krakeleerisse entstehen durch falschen Verlegemörtel, nicht durch Alter oder Pflege.
- Schutzmittel nur auf sauberer, trockener und fleckfreier Oberfläche einsetzen.
- Reinigung und Sanierung sind nach §35a EStG absetzbar.
Lesezeit: 8 Minuten
Das brauchen Sie dafür
- FILA PS87 – alkalischer Grundreiniger, geeignet für Zement
- FILA Cleaner – pH-neutral für die tägliche Pflege, 1:200 verdünnt
- Diamantpads – zur Oberflächenverdichtung und für den Glanzaufbau
- Alle Mittel: Grundreiniger und Imprägnierungen
Was Zementfliesen sind
Zementfliesen werden einzeln in Handarbeit hergestellt. Marmorstaub und Farbpigmente werden in eine Form gefüllt und mit einer Mörtelschicht überdeckt. Das zweischichtige Material wird hydraulisch gepresst und getrocknet – nicht gebrannt. Genau darin liegt der Unterschied zu Steinzeugfliesen, und daraus folgt alles Weitere.
Weil sie nicht gebrannt sind, bleiben sie offenporig und saugfähig. Und weil sie Marmorstaub enthalten, reagieren sie auf Säure wie jedes kalkhaltige Gestein. Jede Platte ist ein Unikat – Farbschwankungen und weiche Übergänge sind gewollt, kein Mangel.
Eigenschaften und Herausforderungen
- Offenporig. Die saugfähige Oberfläche nimmt Flüssigkeiten schnell auf – Flecken dringen tief ein.
- Säureempfindlich. Der Marmorstaub reagiert mit Säure. Keine sauren Reiniger, auch nicht verdünnt.
- Zweischichtiger Aufbau. Farbschicht auf Mörtelschicht, hydraulisch gepresst – die Farbschicht ist endlich.
- Schutzbedürftig. Eine Imprägnierung nach der Reinigung ist zwingend erforderlich, nicht optional.

Reinigungsmethoden im Vergleich
| Methode | pH-Wert | Geeignet für | Risiko |
|---|---|---|---|
| Grundreinigung mit FILA PS87 | Alkalisch | Alle Zementfliesen | Gering – empfohlen |
| Unterhaltsreinigung mit FILA Cleaner | Neutral | Tägliche Pflege | Sehr gering |
| Schmierseife, traditionell | Leicht alkalisch | Wenn Patina gewünscht ist | Bedingt – Schichtaufbau |
| Saurer Reiniger | Sauer | Nicht geeignet | Sehr hoch – verätzt |
| Hochdruckreiniger | – | Nicht geeignet | Sehr hoch – trägt die Farbschicht ab |
Sechs Schritte von der Verlegung bis zur Pflege
- Verlegung prüfen. Vom Hersteller empfohlenen Verlegemörtel verwenden, Fugenbreite maximal 2 mm. Falscher Kleber führt zu Krakeleerissen.
- Fachgerecht verfugen. Farbneutrales Fugenmaterial verwenden. Eine Vorimprägnierung schützt die Plattenflanken vor einwandernden Pigmenten.
- Grundreinigung. pH-neutralen bis alkalischen Reiniger mit abrasivem Pad einsetzen – FILA PS87. Keine Säure.
- Diamantpad-Verdichtung. Oberfläche mit Diamantpads verdichten – für leichten bis hohen Glanz und geringere Porosität.
- Trocknung und Imprägnierung. Vollständig trocknen lassen. Bei verbleibender Restfeuchte eine wasserbasierte Imprägnierung verwenden.
- Unterhaltspflege. Regelmäßig mit pH-neutralem Reiniger, etwa FILA Cleaner in 1:200-Verdünnung.

Krakeleerisse: Ursache und Lösung
Feine Risse im Spinnennetzmuster sind kein Alterungszeichen, sondern eine Folge des falschen Klebers. Der Verlegemörtel arbeitet anders als die Platte, und die Spannung entlädt sich in der Oberfläche.
Eine risslüberbrückende Imprägnierung kann helfen: Sie verhindert, dass Feuchtigkeit eindringt und die Risse dunkel und damit sichtbar macht. Der Riss verschwindet nicht, aber er fällt deutlich weniger auf und arbeitet nicht weiter.
Schmierseife oder Unterhaltsreiniger?
Beides ist vertretbar, es hängt vom gewünschten Ergebnis ab. Schmierseife ist die traditionelle Methode und baut über die Zeit eine Patina auf – viele schätzen genau das bei historischen Altbauböden. Wer keinen Schichtaufbau möchte, nimmt einen pH-neutralen Unterhaltsreiniger, der frei von Seifen und Tensiden ist.
Im Nassbereich gilt allerdings dasselbe wie bei Schiefer: Seifenschichten werden rutschig. Dort gehört der neutrale Reiniger hin, die Auswahl steht unter Unterhaltsreiniger.
Kosten und Rechenbeispiel
Zur Orientierung: Grundreinigung 25 bis 40 €/m², Komplettsanierung mit Diamantpolitur und Imprägnierung 45 bis 75 €/m², Fugenreparatur 12 bis 25 € pro laufendem Meter.
Ein typischer Altbauflur mit 12 m² liegt damit bei etwa 540 bis 900 € für die komplette Sanierung. Verglichen mit einem Neubelag – handgefertigte Zementfliesen sind kein günstiges Material – ist das ein Bruchteil.
Fazit: Marmorstaub verlangt Marmorregeln
Zementfliesen sehen aus wie Fliesen und verhalten sich wie Kalkstein. Wer das berücksichtigt – keine Säure, kein Hochdruck, Imprägnierung nach jeder Grundreinigung – hält einen historischen Boden über Jahrzehnte in Form. Wer es übersieht, verliert die Farbschicht, und die kommt nicht zurück.
Ihre nächsten Schritte
- Alle sauren Reiniger von der Fläche fernhalten – auch Zementschleierentferner.
- Zustand prüfen: nur verschmutzt, oder auch stumpf und rissig?
- Grundreiniger und pH-neutralen Unterhaltsreiniger besorgen.
- Bei Krakeleerissen oder Glanzverlust eine Einschätzung für Diamantpolitur und Imprägnierung einholen.
Selbst loslegen: Passende Mittel finden Sie unter Grundreiniger, Unterhaltsreiniger und Imprägnierungen.
Historischer Altbauboden? Diamantpolitur und risslüberbrückende Imprägnierung gehören in Fachhände – die Farbschicht verzeiht keinen zweiten Versuch. Kostenlose Ersteinschätzung in Berlin: 030 66931404
Quellen
- Herstellerangaben FILA Solutions zu Verdünnung, Materialfreigaben und Imprägnierungsarten.